Christine Brendle


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Christine Brendle

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am 20.06.2011

 

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Rezensionen Die Nacht, in der ich verschwand

Sein Bein spuckt Blut. Wie ein erschossenes Tier in der eigenen Blutlache. Es wird mit etwas verbunden, das er ausschließlich aus völlig anderen Zusammenhängen kennt. Peter Prollmann, der Zeichner, glaubt sich in einem Film. Das kann nur ein Kinofilm sein. Wie kam er in dieses Bett und weshalb ist er mit Handschellen an den Pfosten gefesselt? Die Erinnerungen kehren langsam zurück. Der Film läuft rückwärts. Aber da ist noch etwas ... noch jemand ... doch schon kribbelt es an der Kopfhaut, es wird dunkel und Peter versinkt in einen schwarzen Sog, der ihn in die Tiefe zieht. Gerade noch kann er sich von Frau und Kindern in seinen herabstürzenden Gedankenfluten verabschieden ...
Ehefrau Jenny ist eine von der vergesslichen Sorte - mit den Gedanken stets in anderen Welten und im Prinzip nur körperlich anwesend. Nicht nur das Bügeleisen vergisst sie gelegentlich auszuschalten oder die Zugabe von Waschpulver in die dafür vorgesehene Kammer, den Braten aus der Röhre zu nehmen, den Wasserhahn abzustellen oder überhaupt etwas einzukaufen, sondern auch den Geburtstag ihres Mannes. Und das sollte jetzt wirklich böse Folgen haben ...
Wenn sie gestatten, möchte ich kurz eine Rezension loswerden ... denn hier haben wir es mit einem außerordentlich kurzweiligen Kriminalroman zu tun, der sich selbst, und das ganze Genre gleich mit, ordentlich auf die Schippe nimmt. Was mich stört, ist das Cover. Dieses führt auf falsche Fährten, denn hier verschwindet ein Mann und kein Mädchen. Beide abgebildete Personen können zudem das entstehende Bild der beiden Hauptakteure nicht bestätigen. Trotz dieses Schönheitsfehlers gilt meine uneingeschränkte Empfehlung für diesen rasanten, wenn auch leider viel zu kurzen Krimi.
Mit viel Wortwitz, Selbstironie und einem Gespür für absurde Situationskomik sorgt Wolfgang Kirschner sowohl für Spannung als auch für den einen oder anderen ordentlichen Brüller. Dabei geht es um ein ernstes Thema, denn nicht selten verschwinden Männer spurlos. Sie wollten eigentlich nur zum Zigarettenautomat laufen oder ein Bierchen in der Kneipe um die Ecke trinken, kehren aber nie mehr zurück.
"Die Nacht in der ich verschwand" erzählt eine Geschichte und vermittelt damit einen Eindruck, was in einer solchen Nacht passieren könnte. Welche Verkettung von Umständen völlig unerwartete Wege eröffnen und den Lauf der Dinge auf den Kopf stellen kann. Schön, dass es dem Autor nicht gelingt, ein solches Drama mit dem durchaus üblichen Ernst zu behandeln, denn sonst würde uns beispielsweise der Lacher mit dem oben schon genannten Verbandsmaterial erspart bleiben ...
... was überaus bedauerlich wäre!

Thomas Lawall - August 2010

 

 

Es ist Piet Prolls 39. Geburtstag. Als er von der Arbeit nach Hause kommt, ist keiner zu Hause. Die Kinder sind ausgeflogen und seine Frau ist auch nirgends. Kein Glückwunsch zum Geburtstag. Niemand hat sich daran erinnert. Was bleibt Piet Proll also übrig, als alleine seinen Geburtstag zu feiern? Doch die Zigaretten sind alle. Und so geht er in die Nacht hinaus, um Zigaretten zu holen und kommt nicht wieder...
Natürlich hat sich schon so manch einer gefragt, wie es zum berühmten Satz "ich geh mal Zigaretten holen" kommen kann und die betreffende Person dann wie vom Erdboden verschluckt verschwindet. Der Autor Wolfgang Kirschner hat sich an einer eigenen Version davon versucht. Einer Version mit einer ausgewogenen Mischung aus Witz, Satire, Sex und kriminellen Machenschaften.
Erzählt wird aus der Ich-Perspektive von Piet Proll, dessen Name dem Leser bereits verrät, in welcher erzählerischen Sprache die Geschichte wiedergegeben wird. Zusammen mit Piet Proll stolpert der Leser von einer unglaublichen Szene in die nächste bis schließlich auch der wahre Grund für sein langes Verschwinden geklärt wird. Bis dahin darf sich der Leser auf ein Abenteuer der etwas anderen Art freuen, das man am liebsten ohne Unterbrechungen lesen möchte.
Dark Angel

 

Piet Proll - die Hauptfigur des flott geschriebenen Krimis wird am Vorabend des 40. Geburtstages in einen Strudel unvorhergesehener Ereignisse gezogen. Der Gang zum Zigarettenautomat wird zu einer Odyssee durch die kriminelle Unterwelt einer deutschen Stadt. Begleitet wird der Protagonist dabei von einer schönen Unbekannten, die dem Krimi einen guten Schuss an deftiger Erotik verleiht. Eine glaubwürdige und humorvolle Wiedergabe neudeutscher Proletensprache (oder "Proll-Sprache"), hervorragende Milieu-Schilderungen und Witz zeichnen den Roman aus. Am Ende wird Piet Proll aus der bürgerlichen Alltagswelt hinaus katapultiert. Der rauchenden und nicht-rauchenden Leserschaft bleibt es überlassen, darüber zu urteilen, ob diese Art von midlife crisis für Piet Proll eine gute Wendung war.
Auf alle Fälle wird der Leser den Krimi in einem Zug verschlingen und von den unvorhergesehenen Ereignissen überrascht werden. Highly recommandable!!!!
Marc Herbach

 


Sex and Crime- witzig, frech und nicht so ernst zu nehmen. Kirschners Krimisatire ist schnell gelesen, wunderbar als Geschenk zum 39. Geburtstag eines Mannes geeignet. Ich wollte wissen, was mit der verrückten erotisch locker hantierenden "Kaminiski" und dem Peter Prollmann, dessen Weib eben jenen Geburtstag vergaß, dadurch eine handfeste Midlifestörung auslöste, geschah. Prollmann - jener Mann, der mal kurz Zigaretten holt, der nicht wiederkommt, oder nicht wiederkommen darf? Solange es noch Zigaretten gibt, werden sie gehen, diese Piet Prolls und ihre Spuren verwischen. Einfallsreich und amüsant geschrieben, gutes Tempo  und spannend!
Monde

 

Piet Proll ist eine arme Socke. Als Retuscheur macht er den ganzen Tag nichts anderes, als in der Redaktion eines Männermagazins nackten Frauen gezeichnete Höschen anzuziehen. Seine Frau ist zwar da, irgendwie, mehr aber auch nicht. Seine Töchter interessieren sich nicht für den Vater.
Und dann kommt sein 39. Geburtstag. An den keiner gedacht hat, außer ihm selbst. Piet Proll will  was bleibt ihm anderes übrig - mit sich alleine feiern, doch die Zigaretten sind alle. Er geht zum Automaten. Seine Stamm-Marke klemmt. Dafür aber trifft er das Mädchen Kaminski. Anstatt nach Hause zu gehen, folgt er der schönen Unbekannten. Und kommt nicht wieder Heimdenn in dieser Nacht begegnet er wildem Sex, brutalen Männern, Knarren, Handschellen, Granaten und einem Koffer voller Geld.
Wolfgang Kirschner schafft es, in einem Thriller sowohl das Grauen und die Gänsehaut, als auch jede Menge Lachsalven unterzubringen. Plus eine Liebesgeschichte, die schöner ist als die von Bonny & Clyde. Und das alles in einer Sprache, die man in anderen Büchern vergeblich sucht  denn Kirschner hat den Sound. Er schreibt poetisch und dann wieder knallhart, eine seltene Mischung.
Bei aller sprachlichen Feinheit bleibt Die Nacht, in der ich verschwand doch ein Thriller der Extraklasse. Ein perfektes Drehbuch für die menschlichen Abgründe und den Wahnsinn, der manchmal nur eine Zigarettenlänge entfernt ist. Ganz großes Kino!

Silke Porath