Christine Brendle


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Christine Brendle

Seite aktualisiert 

am 20.06.2011

 

Seit dem 28.02.2003  waren

 

Gäste zu Besuch

Rezensionen Autoren unterwegs

Mit "Autoren unterwegs" brachte der Brendle Verlag ein Buch heraus, welches auf 122 Seiten insgesamt 36 Beiträge zum Thema Reisen beinhaltet. 32 deutsche, österreichische und Schweizer Autoren stellen ihre Geschichten zum Thema vor. Die Vielfalt ihrer Ausdrucksmöglichkeiten ist wahrhaftig grenzenlos und färbt unseren Alltag mit Licht aus der Ferne. Mal lyrisch, mal dramatisch, mal mit viel Humor und dann wieder voller Magie, tauchen wir ab und verschwinden dorthin, wo alle Farben anders sind, die Uhren stehen bleiben und der Augenblick noch ein Glück ist. Das Buch erzählt von der Reise des Lebens, von der Befreiung aller Zwänge und Lasten, aber auch vom Ende aller Tage ...

Reichlich cool geht es auf einer Reise durch die USA zu. Richtung Phoenix. Mitten durch einen Kakteenwald. Schauplatz dieser stimmungsvollen Momentaufnahme: Der Dodge Pickup von Beth. Es läuft selbstverständlich Countrymusic. Lieder von weggelaufenen Mädchen oder Pferden und von Trucks, die ihren Geist aufgegeben haben. Mit reichlich Fastfood an Bord geht es weiter nach Norden ...

Kreuz und quer führen uns die Geschichten durch die Welt - beispielsweise in die Tschechische Republik, nach Polen mit einer Liebeserklärung an Krakau, oder zu seltsamen Verbotsschildern, die "das Betreten nicht erschlossener Denkwege" verbieten! Wir werden Zeuge einer flüchtigen Begegnung in sommerwarmer Juninacht, oder wandern steile Gebirgswege in schwindelnde Höhen, um am Gipfelkreuz den Sonnenaufgang zu erleben. Ganz nah sind wir den Träumen, die nicht selten platzen wie Seifenblasen, letztlich aber den eigenen, ganz persönlichen Weg freimachen, oder fahren einfach mal rüber ins Land der Eischollensaga. Eine Fahrt im Zug der Zeit lässt uns innehalten und wie in Zeitlupe die Dinge relativieren, während eine andere Reise dahin führt, wo es keine Verbote mehr gibt und wo Anstandsregeln ihrer Macht enthoben sind. Wir begegnen einer Frau, die sich fragt, ob sie etwas bereuen soll, oder die wenigen Stunden des Glücks einfach in ihr Herz schließt, denn schließlich soll man keine Antworten auf nicht gestellte Fragen geben, und wir treffen jene Erzieherin, die einem allzu aufdringlichen Papagallo einiges entgegenzusetzen weiß. Wir begleiten auch Laura in ihre Fantasiewelt und Anna, die stets mit dem ganzen Körper lacht, oder fahren mit Renate und Angelika zum "Happen Pappen".

Doch reichen eine halbe Seite über den letzten Urlaubstag auf Teneriffa, zwei Seiten über Kanada, wo es, zumindest im Winter, keine Eitelkeiten zu geben scheint, oder nur drei Zeilen, um in uns Fernweh sofort und nachhaltig zu wecken? Ja!

Diese Sammlung ist keinesfalls ein Buch, welches gerne im Bücherregal verbleiben möchte, um gemeinsam mit den "ausgelesenen" Kollegen zu verstauben. Schlägt man es auf, weht einem ein Duft von Abenteuer und ein Hauch von grenzenloser Freiheit entgegen. Schon fragt man sich, wo die Koffer wohl letztes Jahr verstaut wurden ... um sie gleich wieder zu packen! Und genau dahin möchte auch das Buch - in jenes Seitenfach im Koffer, um mit auf große Fahrt zu gehen. Es möchte immer wieder aufgeschlagen werden, um den sanften Liedern der fernen Strände zu lauschen und um selbst wieder Geschichten erzählen zu können.

Wer nicht die Gelegenheit hat, nach neuen Ufern zu suchen, um im großen Erdentheater zu wandeln und zu weilen, sollte dieses wunderbare Büchlein in den eigenen vier Wänden genießen. Und schon sind Ferien, denn kaum auf der ersten Seite angekommen, fliegt man davon. Das Ziel ist unbekannt ...

..."nur den Träumen vertraut".

 

von Thomas Lawall - August 2010

 

 

 

Autoren Unterwegs

 

Eine Anthologie voller Geschichten, die sich ums Reisen drehen. Die Reise ist also der Kernpunkt der Prosatexte und Gedichte, allerdings sollte der Leser keine herkömmlichen Reiseberichte und Wissenswertes über bestimmte Länder und Orte erwarten. Die vorgestellten Texte nehmen die Reise zwar als Ausgangspunkt, erzählen aber jeweils ihre ganz eigene Geschichte. Dieses Buch ist daher eine Anthologie von Kurzgeschichten und Gedichten, die durchaus auch in einem anderen Zusammenhang gelesen werden könnten.

Neben Urlaubsbekanntschaften und Reisekuriositäten, wie sie etwa Eva Maria Vasilievic, Sigrid Krekel, Timothy McNeal und Helga Frien präsentieren, entsprechen die Texte von Carmen Caputo über ein kalabrisches Erlebnis sowie von Yvonne Friese über eine Fahrt zur Schreibwerkstatt in Polen am besten der Vorstellung traditioneller Reiseerzählungen. Hier finden sich Eindrücke über Land und Leute ebenso wie nationale Stereotype und deren narrative Widerlegung.

 

Es fällt – durchaus angenehm – auf, dass jene Geschichten, die das Reisen an sich thematisieren, fast ausschließlich von Zügen und Bahnhöfen handeln. Die – eigentlich viel üblicheren – Flugreisen sind anscheinend so kurz geworden, dass Schriftsteller sie kaum mehr als nennenswert wahrnehmen, und wer mit dem Auto fährt, muss sich ohnehin auf den Verkehr konzentrieren.

 

Gelungen witzig erzählt Maria Schmetz, wie sie, unter Mithilfe von Ehemann und Kindern, einen italienischen Bilderbuch-Gigolo auf die Schaufel nimmt und ihm eine gewiss unvergessliche Lektion erteilt. Wolfgang Kirschner lässt ein Kind berichten, das seine erste „Lesereise als Schriftsteller“ macht und von Jugendlichen verlacht, aber schließlich von einer älteren Dame ernst und in Schutz genommen wird, sodass seine Reise tatsächlich zur ersten Lesereise des jungen Schriftstellers wird. Ungewöhnlich mutet Klaus-Peter Walters Geschichte an, der die Romangestalt Sherlock Holmes und den historischen Karl May im Rahmen einer Bahnfahrt zusammenführt. In dem Text sind sogar noch weitere Anspielungen an literarische Werke der Weltliteratur versteckt, die es zu entschlüsseln gilt.

 

Manche der Texte erinnern im Ton an die Ferien- und Erlebnisberichte, die wir in der Schule schreiben mussten. Etwa wenn Jutta Müller-Waldner ihre Geschichte mit den Worten beginnt: „Ich will euch eine Geschichte erzählen, weil – nun ja, eigentlich ist gar nichts passiert – nur in den Nächten, in denen ich nicht schlafen kann – ach, ich will mich nicht lange mit der Vorgeschichte aufhalten. (...)“ oder Karin Asprion das Umfeld der Geschichte mit dem Einleitesatz absteckt: „Ich liebe es, mit dem Bus unterwegs zu sein.“ In dieselbe Kerbe schlägt auch Gregor Schürer, wenn er beginnt: „Ich war auf Fortbildung. Es geschah am vorletzten Tag, ich wollte gerade schlafen gehen.“, um danach an der Grenze zum Kitsch zu beschreiben, wie er bildlich gesprochen in den Augen einer Frau versinkt.

Rita Roedel wählte ebenfalls den Zug als Transportmittel. Doch sie verpackte eine ganze andere, eine sehr ungewöhnliche Geschichte in die drei Seiten ihres Beitrages. Der Vorwurf des Zugführers: „Warum benutzen Sie den Zug für Ihre Reise in die Vergangenheit? Das führt zu Verspätungen!“ reißt nicht nur die angesprochene Protagonistin aus ihren Gedanken, sondern auch den Leser aus etwaiger Unaufmerksamkeit. Morde blockieren den Weg, Morde der Protagonistin, die quasi durch ihren Hass auf Menschen, die sie in ihrem Leben tatsächlich oder vermeintlich behindert hatten, zustande gekommen waren. Und nun treten die solcherart Ermordeten in Form von Schatten auf, die nur dann verschwinden werden, wenn die Protagonistin ihnen ihre Namen zurückgibt. Eine Fabel, die regelrecht erschaudern lässt.

 

Die meisten Autoren schreiben in der ersten Person und vermitteln so den Eindruck, es handle sich um persönlich Erlebtes. Ob dem tatsächlich so ist oder es sich lediglich um einen schriftstellerischen Kunstgriff handelt, ist unerheblich und ändert nichts am Lesegenuss; vielleicht macht es sogar den besonderen Reiz so manchen „Berichtes“ aus.

Die Anthologie enthält, wie erwähnt, auch mehrere Gedichte, konkret: acht Gedichte von fünf Autoren. Die lyrischen Texte enthalten Bilder und Gefühle. Bei Ernst Bauer heißt es beispielsweise: „Der Zeiger der Bahnhofsuhr / rückt unmerklich vor / kein Vogel kommt geflogen / nur ein Gedanke.“, und gleich in der nächsten Strophe ein Wortspiel: „Im Verzug sind wir / mit der Rückzahlung / an die Natur / im Zug der Zeit.“ Oder in einem anderen Gedicht desselben Autors: „Motorenwerke statt / der Schokolade / Jugenderinnerungen / Fabrikarbeit / im Untergrund.“ Hingegen macht sich Sabine Schroetter über Verbotsschilder her: „Unerlaubt abgestellte Gefühle / werden kostenpflichtig abgeschleppt!“ Die Reise ist manchmal nur mehr im übertragenen Sinne fassbar, etwa wenn Hans-J. Liese schreibt: „Will barfuß / die restlichen Schritte gehen, / nicht mit staubigen Schuhn / vor der Ewigkeit stehn.“ Kurioserweise stehen fast alle Gedichte in der zweiten Hälfte des Buches; eine gleichmäßigere Verteilung stünde dem Buch noch besser zu Gesicht.

 

Autoren unterwegs kommt mit neun Illustrationen, wohl als Malerei verfremdete Fotografien, die sehr gut zum Thema passen, sowie mit Kurzbiografien zu allen zweiunddreißig Autoren. Letztere stammen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz und bieten altersmäßig eine bunte Mischung, die sich auch in den unterschiedlichen Ansatzweisen der Erzähltexte wieder findet.

 

von Litges. St. Pölten